Drei zentrale Faktoren
Im Erwachsenenalter geht es beim Selbstwertgefühl vor allem um die Entfaltung unseres Potenzials und um das Gleichgewicht zwischen unseren persönlichen Wünschen und den beruflichen, familiären und sozialen Verpflichtungen. Drei zentrale Aspekte spielen eine Rolle für das Selbstwertgefühl der Erwachsenen:
- das Gefühl von Selbstbestimmung: Entscheidungen treffen und das eigene Leben gestalten können,
- das Kompetenzgefühl: sich zutrauen, Verantwortung zu tragen und die angetroffenen Situationen zu meistern,
- das Zugehörigkeitsgefühl: sich von Vertrauenspersonen geliebt, unterstützt fühlen, Teil einer Gemeinschaft sein, in der wir uns engagieren, teilen und solidarisch sein können und so anerkannt werden, wie wir sind.
Wie wir unseren Wert in diesen drei Bereichen einschätzen, hängt stark davon ab, was wir in unserem privaten und beruflichen Leben als Erfolge oder Misserfolge betrachten und wie unser Umfeld darauf reagiert.
Qualität der Beziehungen
Die freundschaftlichen, familiären und beruflichen Beziehungen spielen eine wichtige Rolle für die Entwicklung des Selbstwertgefühls. Ein positives soziales Umfeld, das ohne Wertung unterstützt, ermutigt und annimmt, stärkt das Selbstvertrauen.
Erleben wir aber toxische oder missbräuchliche Beziehungen, kann das Selbstwertgefühl stark geschwächt werden. Es ist auch wichtig, daran zu erinnern, dass keine Form von Gewalt akzeptabel ist. Zögern Sie nicht, Hilfe zu holen, wenn Sie Gewalt erleben oder an der Qualität Ihrer Beziehung zweifeln.
Hilfe und Ressourcen gibt es in mehreren Sprachen auf der Website von Violence que faire?
Erfahrungen im Beruf
Berufliche Erfolge und Schwierigkeiten können sich stark auf die Selbstwahrnehmung auswirken. Sind wir beruflich erfolgreich, stärkt dies unser Selbstvertrauen.
Haben wir jedoch berufliche Schwierigkeiten oder scheitern im Beruf, können wir an unseren Kompetenzen und an unserem Selbstwert zweifeln und ein geringeres Selbstwertgefühl empfinden.
Zeiten, in denen wir arbeitslos und auf der Arbeitssuche sind, können besonders anspruchsvoll sein, denn abgesehen davon, dass wir uns in einer Lage befinden, in der wir beurteilt werden, erleben wir möglicherweise auch wiederholte Absagen oder eine Verschlechterung der eigenen finanziellen Situation, was das Selbstwertgefühl stark belasten kann.
Mehr Informationen unter unserer Rubrik «Psychische Gesundheit und Arbeitslosigkeit».
Der Druck sozialer Normen
Wir leben in einer Welt, in der unzählige Normen und Zwänge unsere persönlichen Entscheidungen und unser Leben beeinflussen. Dies kann zu einem Loyalitätskonflikt zwischen dem, was wir tief im Inneren empfinden und dem, was wir erleben, führen. Erwachsene können solche Konflikte in unterschiedlichen Bereichen erleben, wie etwa bei der Entscheidung für oder gegen eine Familie, beim Druck, in einem bestimmten Alter Eltern zu werden, bei der Wahl einer Lebensform oder in Bezug auf die Work-Life-Balance.
Die traditionellen und sozialen Medien können uns unrealistische Lebensstandards oder Schönheitsideale vorgaukeln, die das Selbstwertgefühl ebenfalls schwächen können. Wir finden unser eigenes Leben möglicherweise weniger interessant als die erfolgreichen Beispiele, die andere in den sozialen Medien zur Schau stellen.
Mental Load
Erwachsensein bedeutet, Verantwortung zu übernehmen: für sich selbst, als Partner/in, Eltern, betreuende/r Angehörige/r, gute/r Bürger/in usw. Diese Vielzahl an Rollen kann den Eindruck vermitteln, dass wir nicht fähig sind, alles unter einen Hut zu bringen und nicht genügend kompetent sind.
Wir fühlen uns manchmal müde, überfordert und beginnen, an uns selbst zu zweifeln.