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Selbstwertgefühl und Erwachsenwerden

Die Zeit zwischen 16 und 25 Jahren ist sehr anspruchsvoll. Die Jugendlichen sind mit zahlreichen «ersten Malen» konfrontiert und müssen neue Anhaltspunkte schaffen.

Beim Erwachsenwerden wirken sich bestimmte Faktoren wie die soziale Identität, die Eigenständigkeit und die finanzielle Unabhängigkeit auf das Selbstwertgefühl aus. Die Jugendlichen müssen auch neue Erwartungen (Studium, Arbeit, Verantwortung) erfüllen und lernen, sich in ihren Beziehungen durchzusetzen. Diese Herausforderungen können das Selbstwertgefühl manchmal schwächen.

Drei anspruchsvolle Bereiche für 16- bis 25-Jährige

1 – Beziehungen, Liebe und Sexualität: sich lieben können, geliebt werden und (es wagen, zu) lieben. Ein positives Beziehungs- und Liebesleben ist zusammen mit dem Freundeskreis eine besonders wichtige Quelle für das Wohlbefinden und die Stärkung des Selbstwertgefühls junger Erwachsener. Fragen rund um Sexualität, das sexualisierte Körperbild, das Wohlbefinden oder Unbehagen mit der Geschlechtsidentität und der emotionalen und sexuellen Orientierung sind ebenfalls zentral für das Selbstwertgefühl.

m Bereich ist das Selbstwertgefühl mit Fragen verbunden wie: Welchen Wert habe ich als Freund/in oder Partner/in? Wie sehr schätze ich mich selbst? Wie kann ich die Person lieben, zu der ich gerade werde (Selbstliebe)? Bin ich es wert, geliebt zu werden?


2 –
Schule und Arbeit: Wahl der Ausbildung, Beginn der Lehre oder des Studiums, Ende der Ausbildung und Eintritt ins Arbeitsleben…

Der Weg in die Berufswelt verläuft in mehreren Etappen, die das Kompetenzgefühl und den Selbstwert der Jugendlichen beeinflussen. Dieser Bereich geniesst in der Gesellschaft einen sehr hohen Stellenwert und er kann zu Druck und Leistungsstress führen, was Selbstzweifel auslösen kann.

In diesem Bereich ist das Selbstwertgefühl mit Fragen verbunden wie: Inwieweit traue ich mir zu, den Anforderungen meiner Arbeit gerecht zu werden, mich an die Verhaltensregeln der Erwachsenen anzupassen, meine Bedürfnisse auszudrücken oder meinen Arbeitskolleginnen, Arbeitskollegen und Vorgesetzten Fragen zu stellen?


3 –
Selbstständigkeit und gesellschaftliche Teilhabe: Niemand wird von einem Tag auf den anderen selbstständig. Es ist ein fortlaufender Prozess, der sowohl von der Person als auch von ihrem Umfeld abhängt. Um ein Gefühl von Autonomie zu entwickeln, braucht es Erfahrungen ausserhalb der Komfortzone. Auch wenn sie es ermöglichen, die eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen zu entdecken, können solche Erfahrungen auch schwierig sein, Risiken bergen oder zum Scheitern führen.

In diesem Bereich ist das Selbstwertgefühl mit Fragen verbunden wie: Wird es mir gelingen, meine eigenen Entscheidungen zu treffen, allein klarzukommen, von meinen Eltern unabhängig zu werden, die administrativen und Bürgerpflichten (Steuern, Versicherungen usw.) einer volljährigen Person zu erfüllen? Traue ich mich, um Hilfe zu bitten, ohne mich minderwertig zu fühlen?

So kann das Selbstwertgefühl bei diesem Übergang gefördert werden

Auf individueller Ebene ist es wichtig, sich zu trauen, den Schritt zu wagen und sich das Recht zuzugestehen, sich heranzutasten, Fehler zu machen und die Meinung zu ändern. Erst durch das Handeln erkennen wir, dass wir genauso fähig sind wie die anderen.
Es ist auch wichtig, nicht allein zu bleiben und um Unterstützung zu bitten, wenn wir Fragen haben, die wir alleine nicht beantworten können, oder wenn wir spüren, dass die Moral und der Selbstwert geschwächt sind. Wenn wir um Unterstützung bitten, erkennen wir unseren eigenen Wert an. Es ist eine Art, für sich selbst zu sorgen und das eigene Selbstwertgefühl zu stärken.

Mehr Informationen unter der Rubrik: «Psychische Gesundheit 16-25».

 

Auf gesellschaftlicher Ebene müssen wir erkennen, wie wichtig es ist, das Erwachsenwerden mit Massnahmen zu begleiten, die das Kompetenzgefühl und den Selbstwert der Jugendlichen stärken. Es ist zentral, ein unterstützendes Umfeld zu schaffen, damit Jugendliche die für ihr Erwachsenenleben notwendigen Lernerfahrungen machen können und sich dabei wertgeschätzt und anerkannt fühlen. Wir müssen ihnen Möglichkeiten bieten, ihre Selbstständigkeit in einem geschützten und sicheren Rahmen auszuprobieren, wo sie die notwendige Zeit und den Raum haben, um Erfahrungen zu sammeln. Dies setzt voraus, dass Fehler als fester Bestandteil des Lernens anerkannt werden.