Persönlichen Stress erkennen | SantéPsy.ch

In einer stressigen oder gefährlichen Situation fordert das Gehirn den Körper auf, die nötige Energie zur Bewältigung der Situation zu mobilisieren. Dieser «gute Stress» ermöglicht es dem Körper, sich zu verteidigen. Indem verschiedene Systeme aktiviert werden, ist der Körper bei Gefahr effektiver.

Dank dieser gesunden Reaktion des Körpers kann die Situation bewältigt und nach einer Lösung für die Rückkehr zur Normalität gesucht werden. Manchmal nimmt der Stress jedoch überhand und ist nicht mehr zu bewältigen; in diesem Fall spricht man von chronischem Stress.

Wenn der Stress überhand nimmt...

Stress kann chronisch werden, wenn der Körper ständig belastenden Situationen ausgesetzt ist, die ihn immerzu zwingen, Energie zu mobilisieren. Schon nach wenigen Tagen Dauerstress können körperliche Anzeichen wie Sodbrennen oder Verdauungsstörungen (Durchfall, Verstopfung) auftreten, und die Situation wird zu einer emotionalen Belastung.

Hält der Stress an, bleibt der Körper laufend in höchster Alarmbereitschaft und verbraucht so seine gesamte Energie. Manche Personen setzen zur Bewältigung auf Alkohol, Tabak und Drogen oder ernähren sich schlecht.

Der Körper steht ständig unter Strom und schafft es nicht mehr, seine Energiereserven zu erneuern; er ist ausgelaugt und seine verschiedenen Systeme funktionieren nicht mehr richtig. Dies kann zu ernsthaften Gesundheitsproblemen wie Herzerkrankungen, Schlaflosigkeit, Depressionen, Erschöpfung und Angststörungen führen. Um dem Körper zu helfen, sein Gleichgewicht und seine Funktionsfähigkeit wiederherzustellen, ist oft eine medikamentöse Behandlung erforderlich.

Chronischer Stress

Chronischer Stress fördert extreme Reaktionen auf Bedrohungen und kann das Stressreaktionssystem auf verschiedene Weise erschöpfen:

  • durch ständige Beanspruchung: Wenn das Stressreaktionssystem zu lange beansprucht wird, erschöpft es sich – ähnlich wie ein Telefonakku, der sich bei ständiger Nutzung schneller entlädt.
  • durch fehlende Anpassung: Normalerweise stellt sich der Körper bei wiederholter Exposition auf den Reiz ein und reagiert nicht mehr mit der gleichen Intensität. Bei chronischem Stress gewöhnt sich das System nicht daran und reagiert immer auf die gleiche Weise – oder gar empfindlicher. Eine Person, die selten öffentlich spricht, kann beispielsweise zunehmend gestresst werden, wenn sie das Wort ergreifen muss.
  • durch verlängerte Reaktion: Die laufende Produktion von Stresshormonen hält den Körper in ständiger Alarmbereitschaft und lässt keine Rückkehr zur Normalität zu. Zum Beispiel: anhaltendes Stressgefühl Stunden nach einem belastenden Ereignis.
  • durch mangelnde Reaktionsfähigkeit: Da der Körper seine Ressourcen erschöpft hat, kann er nicht mehr angemessen auf Stress reagieren.

In chronischen Stresssituationen ist es schwierig, Relevantes von Irrelevantem zu unterscheiden. So kann sich eine Tendenz entwickeln, überall Bedrohungen zu sehen und zu suchen.

Angesichts einer stressigen oder gefährlichen Situation schüttet der Körper Stresshormone wie Cortisol aus. Unter normalen Umständen – wenn die Batterien voll aufgeladen sind – regulieren sich die Cortisol-Produktion und der Verbrauch selbst. In chronischen Stresssituationen wird Cortisol unablässig produziert; ein Stoppen der Stressreaktion ist nicht mehr möglich, der Körper brennt aus.