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Übergänge meistern

Ein Übergang ist eine kritische Zeit, die wir durchleben, wenn ein wichtiges Ereignis wie ein Umzug, eine Trennung, die Stellensuche oder die Geburt eines Kindes eintritt. Dies kann auch Lebensabschnitte betreffen, wie beispielsweise der Schuleintritt, die Pubertät, der Übergang ins Erwachsenenalter oder das Ende des Berufslebens.

Zwischen 16 und 25 Jahren durchlaufen wir zahlreiche Übergänge in allen Lebensbereichen. Diese Phase kann sehr motivierend sein, da sie voller neuer Möglichkeiten und Herausforderungen steckt. Sie kann aber auch unangenehm sein, was angesichts der grossen Spannungen und Unbeständigkeiten durchaus verständlich ist.

Übergänge in allen Lebensbereichen

Zwischen der Jugend und dem Erwachsenenalter erleben wir fünf Übergänge, die für die psychische Gesundheit besonders kritisch sein können.

Der Übergang von der obligatorischen Schule in die Sekundarstufe II : Auch wenn wir uns freuen, die obligatorische Schule abzuschliessen, kann die Aussicht, eine Richtung wählen und uns einem neuen Ausbildungskontext und neuen Menschen anpassen zu müssen, Stress auslösen. Besonders anfällig ist man in dieser Phase, wenn man schulische Schwierigkeiten hat, da die Ausbildungswahl in hohem Masse von den schulischen Leistungen abhängt. Manchmal besteht die Gefahr, die Schule abzubrechen und isoliert zu werden.

Der Übergang von der Ausbildung ins Berufsleben : Das bedeutet ein Sprung in die Welt der Erwachsenen mit neuen Codes und Anforderungen (anderer Rhythmus, weniger Ferien, Produktivitätsvorgaben usw.), mit denen es umzugehen gilt. Diese Phase verlangt grosses Anpassungsvermögen. Sie führt zu finanzieller Unabhängigkeit und kann zugleich motivierend und verunsichernd sein, da sie häufig mit vielen Fragen zu unseren Kompetenzen und unserem Selbstwert einhergeht: Bin ich in der Lage, mich anzupassen, den Anforderungen meiner neuen Stelle gerecht zu werden, wie kann ich mich in einem neuen Umfeld behaupten, mit meinen Kolleginnen und Kollegen in Kontakt treten usw.?

Der Übergang vom Familienleben in ein autonomes Leben bzw. die finanzielle und materielle Unabhängigkeit : Selbstständig leben erfordert viele verschiedene Dinge. Zum Beispiel die Fähigkeit, allein zurechtzukommen, mit Geld umzugehen und administrative Aufgaben im Griff zu haben, eigene Entscheidungen zu treffen, neue Verantwortlichkeiten zu übernehmen, Stress und Emotionen regulieren zu können. Dazu müssen wir uns von unseren Eltern lösen und genügend Vertrauen in uns und unsere Kompetenzen entwickeln, um uns ins Leben hinauszuwagen.

Der Übergang von Gruppenbeziehungen zu zunehmend intimeren Beziehungen, Freundschaften, Liebesbeziehungen und sexuelle Beziehungen: Das ist ein wichtiger Aspekt der Erkundung unserer gesellschaftlichen und geschlechtlichen Identität sowie unserer sexuellen und affektiven Orientierung. Wir müssen uns selbst immer besser kennenlernen und lernen, unsere Emotionen zu regulieren, zu kommunizieren, zu verhandeln, damit unsere Bedürfnisse und Grenzen respektiert werden oder andere sich uns gegenüber auf eine bestimmte Weise verhalten (z. B. ein Kondom benutzen). Das ist ein wichtiger Lernbereich der Lebenskompetenzen.

Der Übergang von der Minderjährigkeit in die Volljährigkeit: Die zivil- und strafrechtliche Volljährigkeit (18 Jahre) bringt wichtige Änderungen bezüglich Rechte, Pflichten und Verantwortlichkeiten mit sich. Ab 18 Jahren sehen wir uns mit neuen administrativen Anforderungen konfrontiert, und die auf Minderjährige zugeschnittenen Bildungs-, Sozial- oder Gesundheitssysteme fallen weg. Dieser Wechsel kann viele Menschen in prekäre und verletzliche Situationen bringen.

Sensible Übergänge für die psychische Gesundheit

All diese Übergänge sind anspruchsvoll und es ist normal, dass wir uns manchmal überfordert fühlen. Sie sind umso heikler, wenn man sich in einer besonders fragilen Lage befindet, beispielsweise die Schule abgebrochen hat, nicht genügend familiäre und gesellschaftliche Unterstützung erhält, einsam, ausgegrenzt oder Diskriminierungen ausgesetzt ist.

Wenn die Dinge nicht so laufen, wie wir möchten, können wir uns unfähig, ineffizient oder entmutigt fühlen. In solchen Momenten ist es wichtig:

  • sich in Erinnerung zu rufen, dass der Übergang ins Erwachsenenalter ein emotional sehr intensiver Prozess ist,
    • der Zeit braucht;
    • der anspruchsvolle Lernprozesse in allen Lebensbereichen verlangt;
    • der auch von Faktoren beeinflusst wird, die nicht in unserer Hand liegen.
  • mit seinen Fragen und Gefühlen nicht allein zu bleiben und nicht zu zögern, Unterstützung zu suchen.