Wenn ein dramatisches Ereignis eintritt – ob man direkt oder indirekt betroffen ist – erschüttert es, macht sprachlos und man fühlt sich oft wie gelähmt. Die Konfrontation mit einem solchen Geschehen kann zu akutem Stress, intensiver Angst, grosser Unsicherheit oder einem tiefen Gefühl der Ohnmacht führen.
In solchen Momenten ist eines besonders wichtig: nicht allein zu bleiben. Darüber zu sprechen, Worte zu finden und das Erlebte zu teilen – auch wenn es nur unvollkommen gelingt – ist bereits eine erste Form von Unterstützung.
Hier einige Hinweise, um sich möglichst gut zu schützen:
Die eigenen Gefühle und Bedürfnisse wahrnehmen und annehmen
Schock, Traurigkeit, Wut, Angst, ein Gefühl von Leere … viele Emotionen können gleichzeitig, durcheinander und verwirrend auftreten. Es ist nicht immer leicht, in Worte zu fassen, was man empfindet. Umso wichtiger ist es, auf das eigene Erleben zu hören und die Gefühle nicht zu unterdrücken. Dabei gilt es, das eigene Tempo und die eigenen Bedürfnisse zu respektieren: Manche Menschen brauchen Gespräche, andere schreiben, zeichnen oder benötigen zunächst Zeit in Stille. Wenn es zu schwer wird, sollte man nicht zögern, Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Mit vertrauten Personen sprechen
Auszudrücken, was man fühlt, und das Erlebte mitzuteilen, ist grundlegend. Das kann im Kreis nahestehender Menschen geschehen oder im Kontakt mit Fachpersonen aus dem Gesundheitsbereich, zu denen bereits eine Beziehung besteht, insbesondere mit der Hausärztin oder dem Hausarzt. Diese Fachpersonen sind da, um zuzuhören, zu begleiten und zu unterstützen – ohne zu urteilen. Was wir erleben und fühlen, ist wichtig. Trauen wir uns, darüber zu sprechen und Hilfe zu erbitten. Um Hilfe zu bitten oder sie anzunehmen, ist ein Akt von Mut.
Die Medien- und Social-Media-Nutzung begrenzen, um sich zu schützen
Sich zu informieren – über offizielle, verlässliche und geprüfte Quellen – kann helfen, mit dem Erlebten umzugehen. Der Wunsch zu verstehen ist menschlich: Nach einem Schock kann die Suche nach Informationen Sinn geben und ein Gefühl von Kontrolle vermitteln. Soziale Netzwerke können zudem ein Gefühl von Gemeinschaft und Solidarität bieten. Gleichzeitig kann die dauerhafte Konfrontation mit einem Informationsstrom, teils mit falschen Inhalten oder schockierenden Bildern, zu intensiv und belastend werden. Darüber hinaus sind soziale Medien auch Orte, an denen wertende, gewalttätige oder schuldzuweisende Aussagen gemacht werden, die verletzend und respektlos sein können.
Es ist daher wichtig, sich vorübergehend von sozialen Netzwerken oder Nachrichtenseiten zurückzuziehen. Diese Pause kann wesentlich dazu beitragen, sich selbst zu schützen.
Aktivitäten beibehalten, die guttun
In Kontakt mit anderen bleiben, schreiben, spazieren gehen, frische Luft schnappen, Zeit mit nahestehenden Menschen verbringen, meditieren … Entscheidend ist, das zu finden, was einem guttut. So weit wie möglich einfache Routinen und einen gesunden Lebensrhythmus beizubehalten – Schlaf, Mahlzeiten, Aktivitäten – wirkt ebenfalls stabilisierend und gibt dem Alltag einen sicheren Rahmen.
Sinn finden und sich auf das konzentrieren, was man beeinflussen kann
Gedenken, schreiben, innehalten … jede Person findet ihre eigenen Gesten, die Sinn geben – entsprechend den eigenen Überzeugungen und Bedürfnissen, ohne sich zu zwingen. So weit wie möglich ist es wichtig, die eigene Energie auf das zu richten, worauf man tatsächlich Einfluss hat: für nahestehende Menschen da sein, konkrete Hilfe anbieten, verantwortungsbewusst handeln (zum Beispiel sich nicht unnötig in Gefahr bringen, um das Gesundheitssystem nicht zusätzlich zu belasten) oder gut für sich selbst sorgen. Sich hingegen von dem zu lösen, was ausserhalb der eigenen Kontrolle liegt – etwa rechtliche, politische oder institutionelle Entscheidungen – kann helfen, das emotionale Gleichgewicht zu bewahren.
Menschlichkeit zeigen
Jede Person hat ihre eigenen Gefühle, Interpretationen und manchmal auch Vorurteile. In sensiblen Zeiten ist es umso wichtiger, sich dessen bewusst zu sein und achtsam mit Worten und Handlungen umzugehen. Respektvolle Worte zu wählen – auch in sozialen Netzwerken – und bestimmte Urteile für sich zu behalten, trägt dazu bei, die psychische Gesundheit anderer ebenso wie die eigene zu schützen. Menschlichkeit zu zeigen bedeutet, Solidarität und kollektive Verantwortung zu leben.
Für sich zu sorgen nach einem traumatischen Ereignis heisst, sich die Möglichkeit zu geben, gemeinsam weiterzugehen.
Verfügbare Ressourcen
Telefonisches Angebot für Jugendliche und junge Erwachsene:
- 147 – Pro Juventute: Beratungs- und Zuhörangebot für Jugendliche, 24 Stunden am Tag. Fachpersonen sind rund um die Uhr kostenlos und vertraulich erreichbar per Telefon, WhatsApp oder E-Mail.
Telefonisches Angebot für Erwachsene:
- 143 – Die Dargebotene Hand: rund um die Uhr, an 7 Tagen die Woche, wohlwollendes und nicht wertendes Zuhören.