Digitale Medien und psychische Gesundheit
Auch wenn digitale Medien heute zweifellos eine wichtige Rolle im Leben von Kindern und Jugendlichen spielen, sind ihre Auswirkungen auf die psychische Gesundheit und das Wohlbefinden noch nicht ausreichend erforscht. Die bisherigen Studien liefern daher nur begrenzte Erkenntnisse. Entsprechend sollten die Auswirkungen digitaler Medien differenziert betrachtet werden.
Einerseits können digitale Medien dazu beitragen, wichtige Bedürfnisse für das Wohlbefinden zu erfüllen. Sie ermöglichen es beispielsweise,
- sich zu informieren, zu lernen sowie Fähigkeiten und Kompetenzen zu erwerben und weiterzuentwickeln,
- sich zu unterhalten, zu spielen oder Musik zu hören,
- soziale Kontakte zu pflegen und auch über grössere Distanzen aufrechtzuerhalten,
- den Alltag zu organisieren und zu erleichtern,
- auf Online-Ressourcen, Beratungsangebote und Unterstützungsangebote zuzugreifen und dadurch beispielsweise zur Entstigmatisierung
- bestimmter Themen beizutragen.
Andererseits können bestimmte Faktoren Risiken für das psychische Gleichgewicht darstellen.
Eine problematische oder übermässige Nutzung, kann zu den folgenden Problem führen:
- körperliche Beschwerden wie Schlafstörungen, Einschlafschwierigkeiten, Augenüberanstrengung oder chronische Müdigkeit, Haltungsschmerzen oder potenziell negative Auswirkungen durch zu lange Exposition von elektromagnetischen Wellen
- Schwierigkeiten in der Schule, beim Sprechen, beim Lernen oder bei der Aufmerksamkeit
- Isolation oder einen Mangel an echten zwischenmenschlichen Beziehungen
- eine übermässige Konfrontation mit idealisierten Darstellungen des Lebens anderer, mit Falschinformationen oder mit unrealistischen bzw. stereotypen Vorbildern (Schönheit, Lebensstil, Verdienstmöglichkeiten, usw.), die oft unerreichbar sind und Stress sowie Ängste begünstigen sowie das Selbstbild und das Selbstwertgefühl negativ beeinflussen können
- die Konfrontation mit Inhalten, die für das Alter und die Entwicklungsstufe des Kindes oder der Person ungeeignet sind (gewalttätige Inhalte, Pornografie, Mikrotransaktionen usw.)
- negative Erfahrungen in sozialen Netzwerken, wie Cybermobbing, Cyberbelästigung (z. B. Stalking, Sexting, Nacktfotos) oder auch Kinderpornografie.
Handeln, ja, aber wie?
Als Fachkräfte im Gesundheits-, Bildungs- oder Sozialwesen können wir auf verschiedene Weise zu einer verantwortungsvollen digitalen Bildung beitragen, die die psychische Gesundheit bereits im frühen Kindesalter fördert:
Die Zusammenhänge zwischen Bildschirmnutzung und psychischer Gesundheit verstehen und von einem vorwiegend risikobasierten Ansatz abrücken, um die Chancen der digitalen Welt für das Lernen und die Prävention zu berücksichtigen.
Die digitale Nutzung der Zielgruppe und deren Ziele verstehen. Dies ist besonders wichtig bei Jugendlichen, für die soziale Netzwerke eine wesentliche Rolle bei der Identitätsbildung, der sozialen Bindung, der Selbstdarstellung und der Organisation ihres Alltags spielen.
Eltern und Bezugspersonen unterstützen:
- bei ihren Medienkompetenzen (technische Fähigkeiten, schrittweise Nutzung der Kindersicherung, Verständnis und Umgang mit Algorithmen usw.)
- bei der Reflexion über ihre eigene Nutzung und ihre Rolle als Vorbilder
- indem man ihnen Hilfsmittel an die Hand gibt, um über die Nutzung von Bildschirmen und sozialen Netzwerken zu sprechen und einen sicheren
- Nutzungsrahmen in der Familie festzulegen
- indem man altersgerechte Präventions- und Aufklärungsbotschaften verbreitet und dabei erklärt, warum diese Botschaften für die Entwicklung ihres Kindes wichtig sind (Bedürfnisse, Einfluss auf das Gehirn usw.)
Massnahmen für Kinder und Jugendliche :
- Ihnen dabei helfen, die für einen verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien notwendigen psychosozialen Kompetenzen zu entwickeln und zu trainieren (konstruktive digitale Kommunikation, emotionale Regulierung, Empathie, kritisches Denken, Suche nach Hilfe und Lösungen usw.)
- Ihnen beibringen, von KI erzeugte Inhalte zu erkennen und eigene Algorithmen zu entwickeln
- Ihnen Anhaltspunkte geben, um ein digitales Gleichgewicht zu finden. Zum Beispiel die Tipps von Psy-Gesundheit.ch zur Herstellung eines digitalen Gleichgewichts und Ressourcen für den Fall, dass Unterstützung benötigt wird
- ihnen Alternativen zum Austausch und zur Begegnung im lokalen Umfeld anbieten
Fundiertes Wissen zu den Themen Bildschirmnutzung, soziale Netzwerke und psychische Gesundheit vermitteln. Informationen an Kinder und Jugendliche, Eltern sowie weitere Bezugspersonen übermitteln:
- relevante Anlaufstellen und Unterstützungsangebote bekannt zu machen
- über die gesetzlichen Bestimmungen informieren, die den digitalen Raum und seine Nutzung regeln, beispielsweise über das Recht am eigenen Bild, den Austausch von Nudes, Cybermobbing oder den Schutz persönlicher Daten.
Darüber hinaus gilt es, dazu beizutragen, die physischen und digitalen Lebensräume sicherer zu gestalten und stärker zu regulieren, um die Nutzung angemessen begleiten zu können.
Auch die eigene Auseinandersetzung mit diesen Themen ist wichtig: Sich regelmässig zu informieren und weiterzubilden hilft dabei, sich sicher im Umgang mit diesen Themen zu fühlen und die eigenen Vorstellungen und Wahrnehmungen dazu zu erkennen und zu reflektieren.
Welche Botschaften sollten im Hinblick auf die Förderung der psychischen Gesundheit vermittelt werden?
Im Bereich der Gesundheits- und psychischen Gesundheitsförderung lassen sich vier Kernbotschaften in unsere Praxis integrieren, unabhängig vom Alter der Nutzerinne und Nutzer:
- Sich gleich nach dem Aufwachen auf einen energiegeladenen Tag ohne Bildschirme vorbereiten
- Die Mahlzeiten geniessen und dabei auf Bildschirme verzichten
- Sich für bildschirmfreie Schlafzimmer entscheiden, um sich zu entspannen
- Auf einen guten Schlaf achten, indem man Bildschirme vor dem Schlafengehen meidet
Wenn wir lebenslang digitale Kompetenz vermitteln wollen, müssen wir den Schwerpunkt auf eine schrittweise und kontinuierliche Bildung bereits ab der frühen Kindheit legen und dabei unsere Herangehensweise und unsere Botschaften an die Bedürfnisse und die Lebensrealität von Kindern und Jugendlichen anpassen. Über die übergreifenden Botschaften hinaus sind sich die Expertinnen und Experten über bestimmte spezifische Empfehlungen für die verschiedenen Altersstufen einig, wobei zwei für die Gehirnentwicklung besonders sensible Phasen im Mittelpunkt stehen: die frühe Kindheit und die Pubertät.
Hier finden Sie die Empfehlungen und Kernbotschaften für die verschiedenen Altersstufen, die von der Walliser Strategie zur digitalen Bildung für einen verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien und von REPER vorgeschlagen werden.
Nützliche Ressourcen
Zahlreiche Organisationen und Expertinnen und Experten bieten Informationen und Hilfsmittel zum Thema Digitalisierung an, um Fachkräfte weiterzubilden, Eltern zu unterstützen und Kinder und Jugendliche aufzuklären. Nachstehend finden Sie eine – nicht vollständige – Liste der wichtigsten Ressourcen, die in der Westschweiz und im Tessin verfügbar sind.
Verstehen und sich informieren
Verstehen und sich informieren
Recherchen, Studien, theoretische Grundlagen
- JAMES Studie 2022 + 2024 : Wird alle zwei Jahre durchgeführt wird und befasst sich mit den Freizeit- und Mediengewohnheiten junger Schweizer (12–19 Jahre)
- MIKE Studie 2021 : Wird alle zwei Jahre durchgeführt zu den Freizeit- und Mediengewohnheiten junger Schweizer (6–12 Jahre)
- HBSC Studie : Die digitale Welt und das Online-Verhalten von 11- bis 15-Jährigen
- Yara Barrense-Dias, Joan-Carles Suris, Christina Akre. La sexualité à l’ère du numérique. Les adolescents et le sexting. UNIL
Websites und Ressourcenplattformen
- Jugend und Medien : Die nationale Plattform des Bundes zur Förderung von Medienkompetenz
- Digiharmo : Die Plattform des Kantons Freiburg und von REPER mit konkreten Hilfsmitteln und zuverlässigen Informationen für Eltern und Fachleute zur Förderung eines ausgewogenen und bewussten Umgangs mit Bildschirmen
- Die Walliser Strategie zur digitalen Bildung : Die Plattform des Kantons Wallis und von „Gesundheitsförderung Wallis“ mit Informationen und Empfehlungen für eine verantwortungsvolle digitale Bildung in den verschiedenen Altersstufen
- Declick.ch : Digitale Prävention und Workshops
- Clickandstop.ch : la plateforme suisse d’information sur les infractions sexuelles en ligne et pour les signaler
- Santépsy.ch : la plateforme de promotion de la santé mentale dans les cantons latins, notamment la rubrique tout public « santé mentale & écrans »
- e-media et Éducation numérique – CIIP : Westschweizer Websites zur digitalen Bildung der CIIP
- Action Innocence (nur auf französisch): Hilfsmittel und Ausbildungen für Fachpersonen
Hilfsmittel für die Arbeit mit verschiedenen Zielgruppen
- prävention-medien.ch : Dienstleistungen und Instrumente, die für Eltern und Fachkräfte im Umgang mit Jugendlichen entwickelt wurden, um eine gesunde und ausgewogene Nutzung digitaler Medien zu fördern und den Risiken von Missbrauch oder Sucht (insbesondere in sozialen Netzwerken und bei Videospielen), unangemessenem Verhalten (Cybermobbing) sowie ungeeigneten Inhalten vorzubeugen
- Bildschirme und ich. Pädagogischer Leitfaden für Lehrpersonen : für Klassen 3-4H. Dieses Hilfsmittel wird mit einem Schülerheft und einem Informationsbrochüre für Eltern ergänzt.
- Lootboxen : Neues Arbeitsblatt für Lehrpersonen zur Sensibilisierung von Schüler/innen zum Thema Videospielen (Mikrotransaktionen)
- Video (nur auf französisch) Les écrans et le développement des enfants de 0 à 4 ans – Angélique Wüthrich
Ressourcen für Jugendliche
- reglo.ch : Informationsportal für 12- bis 20-Jährige zu ihren Rechten und Pflichten, insbesondere in den sozialen Netzwerken
- Ready4life : interaktive Coaching-App, die Schüler der Sekundarstufe II in verschiedenen Lebenskompetenzen unterstützt: Stressbewältigung, digitale Medien, psychosoziale Kompetenzen und die Fähigkeit, dem Konsum von Suchtmitteln zu widerstehen
- duspielst.ch : eine Website von Gesundheitsförderung Wallis, insbesondere zum Thema Online-Glücksspiel und zu den Hintergründen von Lootboxen
- feel-ok.ch
- Toutcru (nur auf französisch): Eine Website des Departements für öffentliche Bildung, Ausbildung und Jugend des Kantons Genf, die zuverlässige Medienplattformen für Jugendliche vorstellt.
- ciao.ch et ontecoute (nur auf französisch)