Psychische Gesundheit und Älterwerden | SantéPsy.ch

Psychische Gesundheit und Wohlbefinden sind im Alter genauso wichtig wie in jeder anderen Lebensphase.

Älterwerden ist ein Teil des Lebens; es ist ein natürlicher Prozess, der viele Veränderungen mit sich bringt und grosse Anpassungsfähigkeit verlangt.

Psychische Störungen bei älteren Menschen werden oftmals als eine normale Reaktion des Älterwerdens angesehen.

Mit dem Älterwerden gehen zwar verschiedene Faktoren einher, die das Risiko einer psychischen Verletzlichkeit erhöhen – Verlust eines geliebten Menschen, Fehlen sozialer Bindungen oder bestimmte Gesundheitsprobleme –, das Alter ist jedoch nicht per se die Ursache für psychische Störungen.

Es besteht die reale Gefahr, dass psychische Störungen mit den Zeichen des Älterwerdens verwechselt werden, was sich negativ auf ihre Diagnose und Behandlung auswirkt. Daher ist es wichtig, nicht von vornherein zu urteilen oder zu pathologisieren und einer gewissen Verletzlichkeit Raum zu geben.

Psychische Gesundheit: ein Kontinuum

Psychische Gesundheit ist mehr als die Abwesenheit von psychischen Problemen: Sie beinhaltet ein echtes Gefühl des Wohlbefindens oder die Fähigkeit, das Leben zu geniessen und Schwierigkeiten zu bewältigen. Es ist wichtig, psychische Gesundheit als ein Kontinuum und nicht als ein binäres Phänomen zu betrachten. Menschen mit einer psychischen Störung können eine gute psychische Gesundheit haben; umgekehrt müssen Menschen mit einer schlechten psychischen Gesundheit nicht unbedingt psychisch krank sein.

Psychologische Schwierigkeiten sind das Ergebnis der Auswirkungen von biomedizinischen und sozialen Faktoren sowie von Lebensereignissen auf individuelle psychologische Merkmale. Darüber hinaus beeinflussen zahlreiche Elemente das Älterwerden im Laufe des Lebens – insbesondere des Gehirns – zum Guten oder zum Schlechten.

So ist es von entscheidender Bedeutung, die Situation jeder einzelnen Person in ihrer ganzen Komplexität zu betrachten.

Potenziale und Ressourcen im ständigen Entwicklungsprozess

Die Gesundheit älterer Menschen zu fördern bedeutet, das persönliche Wohlbefinden durch das Entwickeln von (physischen und psychologischen) Robustheitsfaktoren und gesundheitsfördernden sozialen Bedingungen zu steigern. Es geht darum, ältere Menschen zu befähigen, auf der Grundlage ihrer Ressourcen eine bessere Kontrolle über ihre Gesundheit auszuüben.

In diesem Sinne ist es bei der vorgeschlagenen Begleitung von Seniorinnen und Senioren wichtig, zum Erhalt der Selbstständigkeit und einer zufriedenstellenden Lebensqualität die noch vorhandenen Ressourcen und Potenziale einer älteren Person anzuerkennen.

Bedeutung der Fachpersonen, die sich um die älter werdende Person kümmern

Fachpersonen ausserhalb des Pflegewesens (Sozialarbeiter/innen, soziokulturelle Animatorinnen/Animatoren, Hauswirtschaftspersonal usw.) sowie Freiwillige, die sich im Altersbereich engagieren, spielen eine wesentliche Rolle bei der Förderung des psychischen Wohlbefindens der betreuten Personen.

Indem die Fachpersonen einen Ansatz fördern, der die bestehenden Fähigkeiten anerkennt (wertschätzende Haltung zur Stabilisierung der Selbstwahrnehmung) und die internen persönlichen Ressourcen (Neigungen, Lebenslauf) und externen Ressourcen (soziales Netz in Familie, Verein, Beruf usw.) mobilisiert, unterstützen sie das Wohlbefinden der älter werdenden Person.

PSY-GESUNDHEIT.CH hat zur Stärkung der Förderung der psychischen Gesundheit in der Arbeit von Fachpersonen im Umfeld dieser Zielgruppe und zur Unterstützung der Fachpersonen in ihrer Rolle eine Ausbildung entwickelt.

Weitere Informationen zur Ausbildung finden Sie unter «Bildungsangebote».